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Internationaler Hebammentag 2021

Warum Hebammen einfach unersetzbar sind – internationaler Hebammentag 5. Mai 2021

Für mehr Wertschätzung des Hebammenberufs und eine gestärkte Geburtshilfe.

Heute ist ‚internationaler Hebammentag‘. Dieser Aktionstag wurde 1990 durch den internationalen Hebammenkongress ins Leben gerufen und findet seit 1991 jährlich statt. Dieses Jahr steht der Tag unter dem Motto: „Die Daten sprechen für sich: Investiert in Hebammen!“ Ein klarer Appell, denn immer noch gibt es zu wenig Hebammen.

Diesen Blogbeitrag möchten ich deshalb zum Anlass nehmen, um für den Beruf der Hebamme zu werben und meine Dankbarkeit für eine rundum liebevolle und qualifizierte Versorgung durch meine wunderbare Hebamme Anna Rudnick auszusprechen.

Zunächst aber die Definition einer Hebamme: 

Eine Hebamme ist eine Person, die nach ordnungsgemäßer Zulassung zu einer im jeweiligen Land anerkannten Hebammenausbildung diese erfolgreich abgeschlossen und die erforderliche Qualifikation für die Zulassung zur Hebamme erworben hat. Die Hebamme ist eine verantwortungsbewusste, zuverlässige professionelle Fachkraft, die partnerschaftlich mit Frauen zusammenarbeitet und ihnen die erforderliche Unterstützung, Betreuung und Beratung während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett gewährt. Sie leitet eigenverantwortlich die Geburt und betreut das Neugeborene und den Säugling. Die Arbeit der Hebamme umfasst präventive Maßnahmen, die Förderung der normalen Geburt, das Erkennen von Komplikationen bei Mutter und Kind, die Gewährleistung notwendiger medizinischer Behandlung oder anderer angemessener Unterstützung sowie die Durchführung von Notfallmaßnahmen. (Internationalen Hebammenverbandes (ICM)) 

Der Beruf der Hebamme wird überwiegend weiblich dominiert. Im Folgenden wird mit ‚Hebamme‘ auch der männliche Begriff des ‚Entbindungspflegers’ impliziert.

Schwangerschaft und Geburt in Zeiten von Corona. 

Geburten kennen keinen Mindestabstand und vor allem keinen Lockdown. Durch die aktuelle und  weltweit wütende Pandemie wünschen sich Frauen mehr denn je eine Hebamme, die ihnen eine sichere Betreuung gewährleistet. Auch ich kann mich noch gut an die Zeit zurück erinnern, als ich hochschwanger im ersten Lockdown 2020 mit Angst auf die Geburt blickte: Angst vor einer Infektion mit Covid. Angst vor zu wenig Personal und Überlastung in den Krankenhäusern. Angst davor, alleine entbinden zu müssen. Angst, weil ich doch gar keinen Geburtsvorbereitungskurs machen konnte, da dieser auf Grund von Corona nicht stattfand. Angst vor der Isolation, sowohl vor, als auch nach der Geburt. 

Umso glücklicher war ich also, dass ich eine tolle Hebamme an meiner Seite hatte, die mich nicht nur verlässlich und qualifiziert betreut hat, sondern darüber hinaus, wie eine gute Freundin viele meiner Ängste nehmen konnte. Und das, obwohl es für sie ein absoluter Ausnahmezustand war, eine Situation, die sie selbst nicht einschätzen konnte. Vieles, was diesen Beruf einer Hebamme auszeichnet viel schlichtweg weg. Aus engem Kontakt wurde Mindestabstand und Maske tragen. In dieser Situation war und ist es kein leichter Job, einer werdenden Mama das Gefühl von „alles wird gut“ zu vermitteln. Sowohl Anna, aber auch meine wunderbare und versierte Gynäkologin Dr. med. Mariam Arndt aus der Frauenarztpraxis docforwomen https://docforwomen.de in Köln Marienburg haben es dennoch geschafft, mir genau dieses positive Gefühl zu vermitteln. Daher gilt an dieser Stelle auch Dir ein ganz großer Dank, liebe Mariam. 

Personalmangel von Hebammen stellt Schwangere vor eine echte Herausforderung.

Laut Bundesgesundheitsministerium kann jede fünfte Klinik ihre Hebammenstellen derzeit nicht voll besetzen. Im Durchschnitt fehlen in jedem Kreißsaal 1,6 Vollzeitkräfte (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Berichte/stationaere_Hebammenversorgung_IGES-Gutachten.pdf). 

Natürlich zeigen sich diese akuten Probleme auch in der ambulanten Versorgung, weshalb die Suche nach einer freiberuflichen Hebamme für die Versorgung in der Schwangerschaft, der Nachsorge im Wochenbett und/ oder als Beleghebamme eine echte Herausforderung für werdende Mamas ist. Je nach Region finden zwischen 10% und 50% der Schwangeren keine Hebamme. 

Deshalb sind Hebammen einfach unersetzbar.

Hebammen beraten, unterstützen und sind mit Rat und Tat zur Stelle – sogar weit über die Geburt hinaus. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man gerade beim ersten Kind, als frisch gebackene Mami oft an seine Grenzen kommt. Ich habe Anna auch noch Wochen nach der Geburt um Tipps gebeten. Gerade beim Thema Stillen, Abstillen oder der ersten Beikost griff ich nochmal zum Hörer oder schrieb ihr ganz einfach eine WhatsApp. Sie hat aber nicht nur mich als werdende Mami unterstützt, sondern hat auch innerhalb der Familie eine wichtige Aufgabe eingenommen. Deine Hebamme bereitet nämlich allgemein auf das Elternsein vor, gibt Hinweise zur Gesundheit oder der Entwicklung des Kindes. Diese Rundum-Betreuung erleben aber leider nur noch wenige Frauen, da sie auf Grund des Fachkräftemangels schlichtweg keine Hebamme bekommen.  

Daher ist es mir ein persönliches Anliegen, auf die Relevanz von Hebammen aufmerksam zu machen und auf bestehende Versorgungsdefizite hinzuweisen. Ich sehe es als gesellschaftlich relevant, dass jeder Frau eine achtsame und individuelle Betreuung von Beginn ihrer Schwangerschaft und darüber hinaus zusteht.

Mehr Wertschätzung und Anerkennung für Hebammen.

Um diesem Beruf insgesamt mehr Beachtung zu schenken und Einblicke „hinter die Kulissen zu geben“ hat sich meine Hebamme Anna, passend zum heutigen Hebammentag dazu bereit erklärt, einige Eurer Fragen, die ihr mir über Instagram gestellt habt, zu beantworten. Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass jede Schwangerschaft und Geburt individuell und einzigartig ist, weshalb viele Fragen nicht pauschal beantwortet werden können. Im Zweifel solltest Du diese mit Deinem behandelnden Arzt absprechen. 

Interview mit Anna Rudnick – seit 2011 Hebamme.

Hebamme Anna Rudnick

Steht jeder Frau eine Hebamme zu?

JA! Hebammenhilfe kann von jeder Frau in Anspruch genommen werden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt u.a. die Kosten für die Vorsorgeuntersuchungen durch die Hebamme bis zu 12 Wochen nach der Geburt.

Wie komme ich an eine Hebamme?

  • Hebammennetzwerke, wie https://www.hebammennetzwerk-koeln.de
  • Bei Deinem behandelnden Arzt/ Ärztin nachfragen. 
  • In Krankenhäusern direkt nachfragen, da viele angestellte Hebammen auch freiberuflich tätig sind. 
  • Durch eine Hebammenpraxis oder ein Geburtshaus. 
  • Nutze Dein Netzwerk und frag bei Deinen Bekannten und Freunden nach. 

Lifehack: Am besten kümmerst Du Dich wirklich direkt nach Feststellung Deiner Schwangerschaft um eine Hebamme. 

Welche Aufgaben übernimmt die Hebamme vor der Geburt? 

Deine Hebamme ist in erster Linie Deine Ansprechpartnerin, wenn Du Fragen oder Probleme hast. Darüber hinaus beraten wir Dich beim Thema Ernährung und einer gesunden Lebensführung während der Schwangerschaft. Wir geben Dir Tipps bei Beschwerden, wie Wassereinlagerungen, Übelkeit oder Schlafstörungen. Bei einer Beckenendlage können wir die Moxa-Therapie anwenden, um Dein Kind in die reguläre Geburtsposition zu bringen. Darüber hinaus können wir Hebammen auch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Die drei Ultraschalluntersuchungen (am Anfang, in der Mitte und am Ende) müssen jedoch vom Frauenarzt   durchgeführt werden. Ich empfehle immer eine ganzheitliche Betreuung durch Deine Hebamme und einen Facharzt. 

Was sind Deine Must-Haves für die Kliniktasche? 

Neben den ganzen Ausweisen, dem Mutterpass und Dokumenten empfehle ich alles, was Du für einen Wochenendausflug einpacken würdest. Darüber hinaus gehören in Deine Tasche: 

  • Warme Socken 
  • Ein Nachthemd – am besten sogar mit Knöpfen. So kann Dein Baby nach der Geburt direkt auf Deine Brust gelegt werden. Der nahe Kontakt (Bonding) ist für die emotionale Bindung zwischen Dir und Deinem Baby, aber auch für Deinen Milcheinschuss sehr wichtig. 
  • Snacks: Müsliriegel, Traubenzucker – natürlich auch für Deine Begleitung.  
  • Getränke.
  • Ein Ladekabel für Dein Handy (wird häufig vergessen). 
  • Eine eigene Playlist mit Deiner Lieblingsmusik oder einer schönen Geschichte.

Lifehack: Lippenbalsam, da die Lippen schnell austrocknen. 

Worauf soll ich vor der Geburt achten? 

Ich empfehle meinen Schwangeren immer, sich im Vorfeld gut über die Geburt und auch mögliche Komplikationen zu informieren, um Ängste zu nehmen. Sprich mit Deiner Hebamme, Deinem behandelnden Arzt, aber auch mit Deiner Familie und/ oder Deinem/r Partner*in über Deine Ängste. Versuche Deine Schwangerschaft so gut, wie möglich zu genießen und fahre Dein Stresslevel – besonders die Wochen kurz vor der Geburt – runter. Versuche bei Dir zu sein und höre auf die Zeichen Deines Körpers. 

Es macht außerdem Sinn, dass Du Dir Deine Geburtsklinik im Vorfeld genau anschaust (momentan auch online möglich), damit Du weißt, was auf Dich zukommt und wie der Kreißsaal aussieht. Eine Anmeldung zur Geburt im Krankenhaus ist im Übrigen frühestens ab der 33 SSW möglich.

Lifehack: Im besten Fall füllst Du schon vor der Geburt den Elterngeldantrag aus, um keine To – Do’s mehr im Hinterkopf zu haben. 

Wie läuft eine Geburt in Zeiten von Corona ab? 

Die Frage kann ich leider nicht beantworten, da sich fast täglich die Vorschriften in unseren Krankenhäusern ändern und jedes Krankenhaus individuelle Maßnahmen vorgibt. Es gibt Krankenhäuser, die keine Begleitperson erlauben. In anderen Kliniken darf die Begleitperson erst kurz vor der Geburt, also in der „Austreibungsphase“ mit in den Kreißsaal. Der Grund dafür ist, dass mögliche Kontakte auf Fluren oder in Zimmern vermieden werden sollen, da die Frauen i.d.R. erst dann in den Kreißsaal gebracht werden. In vielen Krankenhäusern müssen die Frauen während der Geburt eine Maske tragen. 

Vor der Geburt werden die Frauen mit einem Schnell- und nach der Geburt mit einem PCR-Test auf Covid getestet. Sollte eine Frau tatsächlich positiv getestet werden, wird natürlich durch entsprechende Isolation vorgebeugt.Jede Frau wird aber eine erfüllende Geburt erleben und durch uns Hebammen fürsorglich betreut. 

Kann meine Hebamme mich auch bei einer Fehlgeburt unterstützen? 

Ja! Viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, schweigen und fühlen sich in ihrer Situation allein. Fehlgeburt ist geradezu ein Tabuthema, was ich persönlich sehr schade finde. Leider kommen Fehlgeburten immer häufiger vor – mindestens jede fünfte Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt. Viele Frauen leiden sehr stark unter diesem Verlust, da häufig eine professionelle, sensible Betreuung danach ausbleibt, was die Verarbeitung erschwert. Ich rufe daher dazu auf in den Austausch mit anderen Frauen zu gehen, aber auch mit Deinem behandelnden Arzt und/oder natürlich Deiner Hebamme zu sprechen. 

Ich empfehle im Übrigen danach den „Nestreinigungstee“ aus verschiedenen Kräutern, um Deinen Körper zu entschlacken.

Wie genau läuft die Nachsorge ab? 

Einfach gesagt: Wir schauen, dass es Dir, Deinem Kind und Euch als Familie gut geht, in dieser besonderen Zeit.

Wir beantworten alle Fragen nach der Geburt, wie z.B. „Sind diese Pickelchen im Gesicht normal?“ Oder „Sieht der Rest der Nabelschnur normal aus?“. Deine möglichen Geburtsverletzungen und/ oder Deine Wundheilung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge. Außerdem wiegen wir Dein Baby kontinuierlich, um zu überwachen, ob Dein Baby zunimmt. Wir sind aber auch echte Stillberaterinnen und geben Tipps zum Anlegen, bei Milchstau oder wunden und/ oder gereizten Brustwarzen. Außerdem baden wir Dein Baby das erste Mal mit Dir gemeinsam. Das Thema „Babypflege“ ist demnach auch ein wesentlicher Punkt über den wir gemeinsam sprechen. 

Wie oft Dich Deine Hebamme besucht, ist ganz individuell. In der Regel können wir in den ersten 10 Tagen täglich bei Dir vorbei kommen und danach alle 2-3 Tage – natürlich in Abstimmung mit Dir. 

Wann sollte man mit der Beikost beginnen?

Es gibt in diesem Fall kein „sollte“: Dein Baby bestimmt den Zeitpunkt. Viele Kinder lehnen Brei vor dem 6. Monat ab. Ein guter Zeitpunkt ist daher ab dem 6. Monat Dein Kind, das Verhalten und die Reaktion auf Essen zu beobachten. Sobald Dein Baby Interesse am Essen zeigt, kannst Du, in Absprache mit Deiner Hebamme, und mit Geduld und Zeit starten. Es bietet sich an, zuerst eine Milchmahlzeit am Tag durch Brei zu ersetzen und darauf aufzubauen – natürlich immer an die Bedürfnisse Deines Kindes angepasst.

Ohne meine liebe Hebamme Anna…

….wäre ich mit vielen Ängsten und Unsicherheiten durch meine „Corona-Schwangerschaft“ und die Geburt gegangen.

…. hätte ich keinen Geburtsvorbereitungs- und keinen Rückbildungskurs machen können. 

…. hätte ich wohl bei jeder Frage googeln oder den Kinderarzt aufsuchen müssen.

Möchtest Du auch ein Shoutout an eine ganz besondere Hebamme geben, die Dich bereits begleitet hat oder sogar im Moment unterstützt? 

Sie wird sich ganz bestimmt über Deine Wertschätzung freuen. 

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